Kultur
Damals und Heute
Die Minoische Kultur war ohne Zweifel der Hoehepunkt Kretas. Seitdem diese Kultur nicht mehr existiert, gibt es auch keine eigenstaendige Kultur mehr auf der Insel. Andere Kulturen wurden durch Besatzer eingefuehrt und um des Zusammenlebens willen gepflegt. Aber immer nur bis zu dem Zeitpunkt eines anderen Invasors. Folglich starben mit der Kultur auch tiefverwurzelte Traditionen. Filotimo (die Ehre), Filoxenia (die Gastfreundschaft) findet man nur noch in Bergdoerfern, wo die Einwohner mit dem Land noch tief verbunden sind. An den Kuesten zaehlt nur noch Geld und die damit verbundenen Standessymbole.
Ich hatte das Glueck, wieder ein Stueck verlorene Kultur zu wecken, indem ich immer wieder beauftagt werde, Haeuser im Innenbereich mit traditionellen Motiven zu bemalen. Es freut mich, dass die Kunst der Freskenmalerei wieder an Ansehen gewinnt. Noch geht es nur im Kleinen, aber auch das Kleine erweitert Bewusstsein. Die Nachahmung kommt von alleine. Zur Zeit habe ich Kinder zwischen 6 - 8 Jahre im Malunterricht und merke, wie schwer es ist, diesen Kleinen Mitmenschen Geduld und die Philosophie der Kunst/Kultur zu vermitteln - zu erklaeren. Die Schulen verbiegen die Kinder, weil sie pauken und auswendig lernen muessen. Es ist nur gut, was das Schulgesetz vorschreibt. Freies Denken und Handeln ist unerwuenscht. Dies war auch ein Grund fuer mich, eine Professur an einer renommierten Kunstschule in Griechenland, nicht anzunehmen. Es macht mehr Spass, den Kindern ein anderes Bewusstsein zu vermitteln und das geht nur durch Praxis und nicht durch Theorien.
Ich vermisse kritische Schriftsteller, wie Nikos Katzantakis. Von Journalisten ganz zu schweigen. Da das Pressewesen, also Zeitungen- und Zeitschriftenverlage vom Staat subventioniert werden und somit immer die Politik einen Fuss in der Tuere hat, wird es auch keine grosse Kritik gegen Misstaende geben. Jeder haengt an seinem Job.
